Jede Minute nutzen

Ich frage mich, wie ich meine Trainingszeit erhöhen kann. Denn schließlich ist auch meine Zeit begrenzt, da ich ja nicht den ganzen Tag nur Taijiquan und Qi Gong üben kann, sondern mich auch um meine kleine Familie kümmern muss, Freunde treffen möchte etc.

Und so lese ich im Internet an verschiedenen Stellen, dass man jede Minute, jedes Schlangestehen im Supermarkt, jeden Gang zur Toilette, für`s Üben nutzen soll.

Ich gebe zu: das stell ich mir ziemlich anstrengend vor. Jede Minute darüber nachdenken zu müssen, wie ich grad nebenbei üben kann. Außerdem frage ich mich auch, wie das mit der Achtsamkeit ist, denn nebenbei üben bedeutet ja, dass ich dann zwei Dinge gleichzeitig tue.

Aber ich habe es mal ausprobiert. So habe ich im Heldensitz auf dem Wohnzimmerboden gesessen und meinen kleinen Sohn beim Spielen beobachtet. Und wenn man so ein kleines Kind sieht, dann ist klar: es übt die ganze Zeit! Es geht also. Zumindest bei Kindern. Und nun werde ich in den nächsten Wochen versuchen, ob es auch bei mir geht!

 

üben, üben üben!

“Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich es,

übe ich zwei Tage nicht merkt es meine Frau,

übe ich drei Tage nicht, merkt es mein Publikum!”

Dieses Zitat (das verschiedenen Musikern zugesprochen wird, z.B. Liszt oder Minuhin) geht mir nicht aus dem Kopf. Ich gebe zu, ich habe einige Tage nicht mehr Taijiquan oder Qi Gong geübt. Und ich merke es sehr. Zu sehr. Und ich glaube, meine Akupunkteurin merkt es auch, ist aber zu höflich, was zu sagen.

Nun versuche ich wieder in meinen Trainingsrhythmus reinzukommen. Ich habe mit der Übung “Qi wecken” angefangen und es war toll. Ich hatte richtig das Gefühl, dass sich mein Körper an die Übung erinnert und sich freut, sie wieder zu üben.

Also hier mein Ziel: Jeden Tag ein paar Übungen, ein paar Mal Form laufen, etwas lesen!

 

Wie finde ich einen Taijiquan- oder Qi Gong-Lehrer?

Nun ja, natürlich kann man bei Google einfach “Taijiquan” (oder “Tai Chi Chuan”) bzw. “Qi Gong” + die eigene Stadt eingeben. Irgendwas kommt dann schon raus. Aber es kommt eben nur irgendwas raus und oft eine seltsame Seite, die ziemlich chaotisch ist und man findet dort auch meist keine vernünftigen Lehrerinnen oder Lehrer.

Aber es gibt inzwischen schon einige gute Datenbanken, in denen man suchen kann. Hier meine Favoriten:

Gütesiegelträger beim Deutschen Dachverband für Qi Gong und Taijiquan e.V.

Lehrerdatenbank des europäischen Portals für Taiji und Qi Gong

Taiji und Qi Gong Lehrer bei Innere-Kraft-64

Natürlich sind nicht alle Lehrerinnen und Lehrer in diesen Listen vertreten, aber wenn man sich auf die Suche macht ist es zumindest ein Anfang. Es empfiehlt sich ja sowieso, zunächst eine Probestunde zu besuchen, um zu sehen, ob man die Person überhaupt mag! Also viel Spaß beim Suchen und Finden!

 

 

Höher, schneller, weiter, besser

Wir leben in einer Welt der Rekorde: das höchste Hochhaus, der längste Tunnel, der schnellste Sprinter, der beste Schachspieler. Und alle paar Jahre gibt es einen neuen höchsten, längsten, schnellsten, besten.

Und ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich auch mich und meine Umgebung nach dem höher-schneller-weiter-besser-Prinzip bewerte. Der da kann länger “stehen wie ein Baum” als ich. Die da kann mehr Formen laufen als ich. Der da kann tiefer in die Schlange sinken als ich etc.

Und ich vermute, dass auch andere sich vergleichen, vielleicht ja sogar mit mir! Warum vergleichen wir uns nur immer untereinander? Und warum ist es so schwierig, damit aufzuhören?

Also versuche ich, statt mich mit anderen zu vergleichen, mich für die andere Person zu freuen. Ich weiß, wie sich ein Erfolg (z.B. mit den Fingerspitzen aus dem Stand den Boden zu berühren) anfühlt. Und nun freue ich mich, wenn andere so einen Erfolg fühlen. Klappt nicht immer, aber ich versuche es!

 

Atem als Grenze einer Bewegung

Ich habe Dir ja schon gesagt, dass ich es immer wieder interessant finde, was verschiedene Leute zum Thema Taijiquan & Atem sagen. Eine Lehrerin hat mal gesagt, dass bei der Form, die sie unterrichtet, man bei den ausdehnenden Bewegungen einatmet und bei den zusammenziehenden Bewegungen ausatmet.

Atem und Bewegung sind bei dieser Form also Gegenpole: Atem rein/Bewegung raus & Atem raus/Bewegung rein. Im Sinne von Yin und Yang gibt es also nie nur Yin oder nur Yang, sondern etwas vom anderen ist immer enthalten und sie wechseln sich ab.

Besonders interessant und gedanklich anregend finde ich daran folgende Idee:

Wenn die Bewegung dem fließendem Atem folgt,
dann ergibt sich eine natürliche “Grenze” der Bewegung.

Wenn ich ausatme, dann kann ich irgendwann nicht weiter ausatmen. Das ist der Punkt, an dem die bisher nach innen gehende Bewegung ein “Ende” findet und umschlägt in eine nach außen drängende Bewegung. Und wenn ich dann nicht mehr weiter einatmen kann, wechsel ich wieder in die nach innen gehende Bewegung. (Allerdings gibt es auch sehr lange oder sehr kurze Bewegungen, wo das mit dem Atem schwieriger wird.)

Diese Atem-Idee finde ich einen sehr interessanten Gedanken, denn sie hilft mir, mich bei der Form nicht nach außen oder innen zu “verlieren”, sondern in Balance zu bleiben und den Punkt zu finden, an dem Yin zu Yang wechselt oder Yang zu Yin wechselt.