Meister Wangs Fingerspiele

Im Buchladen habe ich ein Buch gesehen, dass ich einfach kaufen musste:
Interessant finde ich die Entstehungsgeschichte dieses dünnen Buches: 1995 hat das ZDF auslandsjournal über einen Taijiquan-Meister berichtet, der Qi Gong-Fingerübungen entwickelt hat. Weil so viele Zuschauer mehr über die Übungen wissen wollten, wurde eine Broschüre erstellt, aus der dann später dieses Buch wurde.

Meister Wangs Grundüberlegung bei der Entwicklung der Fingerübungen war, dass 1/4 aller Knochen in den Händen sind (ich habe das mal nachrechnet: 27 Knochen pro Hand (=54) bei 212 Knochen eines Erwachsenen: 25%! Quelle: Wikipedia). Er sagt, wenn man also die Hände trainiert, dann trainiert man ein Viertel des Körpers und weil ja alles miteinander zusammenhängt (z.B. über die Meridiane), übt man letztendlich für den ganzen Körper.

Am Anfang des Buches steht ein Interview mit Meister Wang, in dem er über die Übungen und über Gesundheit spricht. Es folgen 5 Seiten mit Grundübungen. Sie sehen etwas seltsam aus – ich würde sie eher nicht im Bus oder im Wartezimmer üben – aber sie sind einfach durchzuführen. Ich finde, dass die Finger durch sie tatsächlich beweglicher und weicher werden.

Der größte Teil des Buches besteht aus Übungen, die man bei verschiedenen Beschwerden machen kann, z.B. bei Kopfweh, Menstruationsbeschwerden oder Erkältung. Es gibt sogar Übungen zur Stärkung des Gehirns!

Meister Wangs Fingerspiele sind ein wenig verrückt, aber irgendwie auch interessant.

Ein Deutscher bei den Meistern in China

Heute möchte ich das Buch Wu – Ein Deutscher bei den Meistern in China vorstellen. Maik Albrecht trainiert seit über 10 Jahren in China Kampfkunst. Er hat dort einen Meister gefunden, bei dem er fortwährend lernt und der ihn immer wieder mit anderen Meistern in Kontakt bringt.
Ich finde es toll, einen Einblick in die Welt der Kampfkünste in China zu erhalten. Hier ein paar Themen, die mir in dem Buch besonders gefallen haben:

  • Einige chinesische Begriffe werden sehr gut und verständlich erklärt, z.B. Wushu und Gongfu.
  • In einem Kapitel wird darüber gesprochen, was ein “Meister” ist, die Definition ist interessant und regt zum Nachdenken an.
  • Ein wiederkehrendes Thema im Buch ist die Frage, ob heute eigentlich noch wirklich die alten Kampfkünste trainiert werden. Es wird beklagt, dass die meisten Menschen nicht mehr so trainieren (wollen und können), wie die alten Meister. Manchmal hätte man diese Litanei weglassen können, aber man merkt, dass es den Autoren und den chinesischen Meistern ein großes Anliegen ist, ihre Kampfkunst möglichst authentisch zu lernen und weiterzugeben.
  • Ich finde es gut, dass auch die Themen Wettkämpfe, Graduierungen und Kulturrevolution angesprochen werden.
  • Es geht immer wieder um die Anwendbarkeit von Techniken im Kampf. Die Bilder dazu sind zwar etwas klein, aber man kann sich das trotzdem gut vorstellen. Es werden außerdem viele verschiedene Stile und “Fäuste” vorgestellt.
  • Die Abschnitte über Trainingsmethoden, z.B. Zhan Zhuang, klingen sehr anstrengend, aber ich finde sie gleichzeitig motivierend. Ich möchte wieder mehr still stehen!

Ich finde, man kann das Buch in einem Rutsch durchlesen, aber ich werde es sicherlich auch mal wieder zur Hand nehmen, wenn ich nochmal was zu verschiedenen Themen oder Begriffen nachlesen möchte.

Vielleicht möchtest Du das Buch auch lesen, dann bestell es einfach bei Amazon. Oder vielleicht hast Du es ja schon gelesen, dann würde es mich natürlich sehr interessieren, wie Du das Buch findest!

 

Atemrhythmus: nicht so wichtig

Ich erinnere mich an einen Workshop bei Meister George Xu vor ein paar Jahren. Ich mag die Workshops bei ihm sehr, weil er wunderbar auf die Fragen antwortet.

Ich habe die Frage gestellt, wie wichtig eigentlich der Atem beim Taijiquan ist. Ob es bei den Bewegungen eine Rolle spielt, ob man ein- oder ausatmet und ob man sich besonders auf den Atem konzentrieren soll.

Daraufhin kam er auf mich zu und auf sanfte Taijiquan-Art bedrängte er mich, so dass ich immer weiter zurückweichen musste. Als ich mit dem Rücken zur Wand stand fragte er, ob ich den Eindruch gehabt hätte, dass sein Atemrhythmus eine Rolle gespielt hätte.

Nein, Meister Georges Atemrhythmus hat mich nicht beeindruckt. Aber ich bin immer weiter zurückgewichen, weil sein Qi und sein Wille mich beeindruckt haben. Daran erinnere ich mich, wenn es um Atem und Taijiquan geht.

Ich finde es interessant, immer mal wieder andere Übende zu fragen, was sie über Atem und Taijiquan denken. Ich bin gespannt, was ich über die Jahre an Anregungen sammeln werde! Wie denkst Du über Atem und Taijiquan?