Beim Lesen von Helmut Hirners Post zum Thema Vorbereitung der Taijiquan-Form hat mir besonders ein Satz gut gefallen:
“es ist nicht einfach möglichst nichts zu denken und trotzdem alles zu bedenken”
Ja, das finde ich auch nicht einfach. Hier eine sehr kleine Auswahl an Aspekten, die mir bisher Lehrer und Lehrerinnen gesagt haben oder die ich in Büchern gelesen habe, die man am Anfang der Form beim Wuji bedenken sollte:
- Beine entspannen (nicht ganz durchgestreckt und auch nicht stark gebeugt)
- Becken leicht kippen
- Hüftgelenke & Leisten entspannen, Knie lösen
- Wirbelsäule aufrichten, Nacken zurück, kein Hohlkreuz
- Bai Hui (Scheitelpunkt) nach oben ausrichten
- Schultern & Arme entspannen
- etwas Luft unter die Achselhöhlen geben
- Schultern auf Becken ablegen, Becken auf Fersen ablegen
- Festen Kontakt mit den Füßen zum Boden
- Augenbrauen nach außen ziehen
- Augen blicken horizontal
- Zungenspitze am oberen Zahndamm
- Lächeln
- Der Geist wird ruhig wie stehendes Wasser
- Atmung ruhig & tief, innere Organe entspannt
- … und es gibt noch seeeeehr viele weitere Aspekte!
So, und dabei ist doch Wuji der Gipfel des Nichts! Da soll ich doch an Nichts denken! Wie soll denn das funktionieren?
Ich wage es, eine gewagte Theorie aufzustellen: All diese Dinge kann der Körper bedenken, wenn man sie nach ganz vielem Üben im Körpergedächtnis verankert hat.
Ich stelle mir das so vor: wenn ich regelmäßig eine Übung mache, bei der ich mich darauf konzentriere, die Schultern zu entspannen, dann wird irgendwann mein Körper mich auch im Alltag, z.B. grad hier vor dem Computer, darauf aufmerksam machen, dass ich doch mal meine Schultern entspannen soll! Und wenn ich weiter übe und weiter auf meinen Körper höre, dann macht der das irgendwann von selbst, ohne mich vorher zu benachrichtigen. Die Information “Schulter sinken lassen” ist also dann in meinem Körpergedächtnis und ich muss nicht ständig mit meinem Kopf daran denken.
Dann kann ich, wenn ich mich ins Wuji stelle, vielleicht die zahlreichen Aspekte nur kurz “andenken”, und mich dann voll und ganz auf Nichts konzentrieren. Ob das tatsächlich funktioniert werde ich Dir allerdings erst in ein paar Jahrzehnten sagen können!
Danke für die Erwähnung meines Artikels. Wie man an dem wörtlichen Zitat – “es ist nicht einfach möglichst nichts zu denken und trotzdem alles zu bedenken” – sieht, schaffe ich das Nicht-Denken am besten bei den Beistrichregeln. Trotzdem hätte ich bedenken können, dass nach “es ist nicht einfach” ein Beistrich gesetzt gehört. LOL
Naja, wir beschäftigen uns ja auch mit Kampfkunst, da kann die Grammatik auch mal etwas leiden
Außerdem weiß ich bei der neuen Rechtschreibung auch nicht, ob da immer noch unbedingt ein Komma hin muss